DM-Quali-Triplette in Chemnitz: Fünf Runden, vier Sieger!

5 Spiele, 5 Siege: Stefan, Richard und Patrick
5 Spiele, 5 Siege: Stefan, Richard und Patrick

Durch das erfolgreiche Abschneiden seiner Teams bei der letztjährigen DM in NRW hatte der PV Ost einen vierten Startplatz sichern können, sodass sich mehr als ein Fünftel des in Chemnitz gemeldeten Starterfelds für die DM in Karlsruhe qualifizieren konnte. Diese ungewöhnliche Konstellation beinhaltet aber gleichzeitig die bedrückende Erkenntnis, dass die Popularität mit der sportlichen Entwicklung nicht ganz Schritt halten konnte. Geht die Entwicklung also von der vermeintlichen Trendsportart hin zur Randsportart, vielleicht sogar so gefährlich an den Rand, dass ein schmerzlicher Absturz bevorstehen könnte?

An den Platzbedingungen kann die etwas verminderte Teilnahme nicht gelegen haben. Der aufgrund seiner Steillagen gefürchtete Schloßberg war verlassen worden, und man hatte ihn gegen eine zwar leicht steinübersäte, aber doch überwiegend ebene Anlage in der Nähe des Schloßteiches eingetauscht, auf dem Halb- und Hochportées erfolgreich gespielt werden konnten. Sofern man sich ein passendes Donné ausgesucht hatte, wurde somit das Zufallsprinzip weitgehend ad acta gelegt, und es kamen spannende Spielrunden zustande, aus denen am Ende die leistungsmäßig stärksten Spielerinnen und Spieler als DM-Qualifikanten hervorgingen.

1.Runde:

Hier kommt es zum rein Dresdner Duell zwischen Fethi Aouissi, Paul Förster und Heiko Plötz auf der einen, sowie Jennifer Baer, Tangi Andro und Hanns-Werner Leithold auf der anderen Seite. Letztere sind aufgrund fehlender erzielter Ranglistenpunkte im unteren Tableau des Feldes angesiedelt und folglich Außenseiter. Nichtsdestotrotz gelingt es ihnen, nach lange ausgeglichenem Spielstand, gegen Ende mit 12:9 in Führung zu gehen. Dann verkürzen die Favoriten zunächst auf 10:12, um dann in der letzten durch einen
überragenden Sauzug von Heiko die zum Sieg fehlenden Punkte noch gerade so einzuheimsen: 13:12!

Dennoch gelingen in dieser Runde auch zwei Underdog-Erfolge: Das Team „Kalies x 3“ aus Leipzig schlägt die an 7 gesetzten Antje Müller/Dennis Rössler/Dieter Büttner (Chemnitz/Weimar/Dresden) klar mit 13:4, und, noch ein Stück überraschender, die erstmalig in dieser Kombination auftretenden Rita Böttcher/Fabian Böttcher/Andreas Rümpel (C/C/DD-Rumkugeln) besiegen die letztjährigen DM-Fahrer Hartmut Lohß/Benjamin Möller/David Möller (alle Chemnitz), die damals durch ihr erfolgreiches Auftreten den vierten Startplatz für PV Ost erkämpft hatten, mit 13:8 – und das nach 0:8 Rückstand!

Die ersten Ergebnisse stellen, wie im Schweizer System üblich, zwar früh die Weichen, aber verloren ist noch niemand, denn auch mit vier Siegen kann die Reise nach Karlsruhe noch gebucht werden…

2.Runde:

Auf diesem Weg werden die eingangs erfolgreichen Fethi, Paul und Heiko zunächst einmal gebremst. Zwar gehen sie gegen ihre Dresdner Vereinskameraden Stefan Lauche, Patrick Lehmann und Richard Wendt mit 7:4 in Führung, aber dann gelingt ihnen kein Stich mehr. Nach vier weiteren Aufnahmen streichen sie mit 7:13 die Segel.

Ausreichend Zeit, um sich eine zweite Begegnung anzuschauen. Diese entwickelt sich zum Kracher, allein schon aus dem Grund, weil sich zwischen „Kalies x 3“ und den Hallensern Gerald Adler/Heiko Kastner/Bastian Pelz keiner so recht zum Gewinnen entscheiden will. Es ergibt sich eine für alle Beteiligten, vor allem auch die immer zahlreicher werdenden Zuschauer, zermürbende Partie, an deren Ende sich Gerald, Heiko und Bastian nach zweieinhalb Stunden knapp mit 13:12 durchsetzen.

3.Runde:

Nun Zeitbegrenzung? Nein, es wird allen noch eine letzte Chance eingeräumt, ihre Begegnungen zügig durchzuführen. Die zuvor siegreichen Gerald, Heiko und Basti halten sich an die Vorgabe und begeben sich gegen Jens Riedel/Hannes Blechinger/Andreas Endler (L/HAL/DD) schnell auf die Verliererstraße. Erst beim Rückstand von 0:9 verbuchen sie ihre ersten drei Punkte, die die einzigen bleiben sollen.

Etwas mehr Spannung kommt in der Begegnung der Favoritentöter Rita, Fabian und Andreas gegen Stefan, Patrick und Richard auf. Nach zuvor klarer Führung lassen Letztere die Zügel etwas schleifen, und ihr Gegner kann bis auf 9:11 herankommen, bevor die Dresdner dann letztendlich den Sack doch zumachen.

Auch die Partie zwischen Laura Schneider/Albert Wendt/Bastian Wienrich (Dresden und Horken-Kittlitz) gegen Fethi, Paul und Heiko ist bis zum 9:10 umkämpft. Dann liegt 11, und vier Kugeln sind noch auf der Hand. Fethi verlegt eine, die zweite findet ihren Weg ins Ziel.

4.Runde:

Das spannendste und längste Spiel findet zwischen den ungeschlagen führenden Jens/Hannes/Andreas und Stefan/Patrick/Richard statt. Hier gehen, u.a. aufgrund ungewohnter technischer Schwächen von Jens (Schießen) und Andreas (Legen), zunächst Letztere klar mit 5:1 in Führung. In der nächsten Aufnahme bekleckert sich dann keiner der Beteiligten mit Ruhm: Stefan legt eine Kugel etwa 35 cm halblinks vor die Sau, die weder Andreas noch Hannes mit ihren gesammelten Legversuchen toppen können. Jens platzt der Kragen, und er schießt – touchiert aber die Gegnerkugel nur sanft, ohne sie wegzudrücken. Nun legt er, bleibt aber zu kurz. Der Sieg scheint versemmelt, aber dem Gegner gelingt es tatsächlich, alle noch auf der Hand befindlichen fünf Kugeln zu verwerfen.

Es steht „nur“ 1:6, und Jens/Hannes/Andreas schöpfen tatsächlich Hoffnung. In aufwändigem Kleinkrieg kämpfen sie sich heran – und am Gegner vorbei. Es steht jetzt 12:10, der Sieg sollte eigentlich nun „eingetütet“ werden…

Aber Hannes, der inzwischen die ersten Kugeln legt, bleibt auf dem einfach aussehenden, aber durchaus tückischen Gelände eindeutig zu kurz: 7o cm vor der Sau. Stefan legt unwesentlich besser, und das reicht erstmal, weil Hannes auch seine zweite Kugel verlegt. Jetzt legt Andreas seine Kugel knapp rechts neben die Sau, das könnte bei der zuvor zu beobachtenden Schussschwäche der Gegner der Grundstein zum Sieg sein…

Aber jetzt trifft Richard, „presque sur place“, und sein Team hat zwei Punkte. Andreas legt, und kommt zunächst auf Platz 2, und nach dem anschließenden Erfolgsschuss von Jens liegt wieder die 13. Doch Richard kann kontern, mit seinem Schuss zieht er gleichzeitig die Sau zur eigenen Kugel: es liegen wieder zwei!

Jens‘ letzte Kugel legt sich auf Position 2, aber es kommen jetzt noch drei gegnerische. Gleich die ersten beiden werden von Stefan und Patrick souverän rechts neben die Sau gelegt, es reicht zum knappen Sieg für die Dresdner!

5.Runde:

Diese spielen nun gegen Hartmut, Benny und David, die sich wieder hochgekämpft haben und bei eigenem Sieg doch noch im Rennen für Karlsruhe mit dabei sind. Leider führen u.a. unglückliche Saubewegungen und zu viele eigene Fehlschüsse schnell zu einem klaren, wenn auch in der Höhe nicht ganz verdienten Rückstand der Chemnitzer. Dennoch lassen sie nicht nach und „beißen“, kommen nach 1:9-Rückstand wieder auf 7:9 heran. Alles scheint wieder möglich, aber ein „sur place“ von Richard und anschließende Fehlschüsse von Benny drehen erneut die Partie. Man kassiert ein Dreierpack, und auch die umkämpfte letzte Aufnahme sieht das glücklichere Ende für Dresden.

Unterdessen findet noch ein entscheidendes Match um die DM-Teilnahme statt. Die Jenaer Manja Adlt und Christian Schache, die sich mit dem zurzeit in Jena weilenden NRW-Spieler Michael Bosold verstärkt haben, besiegen Laura, Albert und Bastian in einem hart umkämpften Match am Ende mit 13:6.

Jens Riedel, l., beglückwünscht Heiko, Paul und Fethi zu Platz 2
Jens Riedel beglückwünscht Heiko, Paul und Fethi zu Platz 2
PV Ost 3: Hannes, Jens und Andreas
PV Ost 3: Hannes, Jens und Andreas
PV Ost 4: Michael, Manja und Christian
PV Ost 4: Michael, Manja und Christian
Abwurfstudien: Patrick Lehmann...
Abwurfstudien: Patrick Lehmann…
Richard beim...
Richard beim…
...und nach dem Abwurf!
…und nach dem Abwurf!
Fethi Aoussi
Fethi Aouissi
Stefan Lauche
Stefan Lauche
Gerald Adler
Gerald Adler
Heiko Kastner
Heiko Kastner
Johann Kalies (davor)
Johann Kalies (davor)
Johann Kalies (danach)
Johann Kalies (danach)
Andreas Endler
Andreas Endler
Hannes Blechinger
Hannes Blechinger
Hintergrund, ohne störende Boulespieler
Hintergrund, ohne störende Boulespieler
Sieger vor blauem Himmel
Sieger vor blauem Himmel
Sieger beim Teamtalk?
Sieger in der Ruhephase
Die Stiefel des Siegers
Die Stiefel des Siegers
Auch die Ambulanz kann sie nicht retten: Andreas, Rita und Fabian
Auch die Ambulanz kann sie nicht retten: Andreas, Rita und Fabian

14 Kommentare zu “DM-Quali-Triplette in Chemnitz: Fünf Runden, vier Sieger!

  1. Lieber Detlef,
    im ersten Satz schreibst Du, durch das erfolgreiche Abschneiden ihrer Teams …
    natürlich sollte das seiner Teams heißen,
    Gruß Stephan 🙂

    • Feiner Kommentar. Wir schaffen es bestimmt, dem Absturz zu entgehen, selbst wenn die Passanten auf der Straße sich ein Vierteljahrhundert nach der Wende immer noch über „Boccia“ wundern.

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