DM 55+ in Tromm: Der Traum von Testas

Erst in der Barrage gescheitert: Team PV Ost02, mit Matthias Buck, Christoph Nolden und Klaus-Jürgen Zimmermann

Als die Spieler und die Spielerin von Team Ost01 einen ersten Blick auf die elektronische Anzeigentafel der Bouleanlage in Tromm werfen, klappt deren Kinnlade gleich nach unten: Sie sind in der gleichen Gruppe wie Testas gelandet!

Jean-Luc Testas ist nicht nur der aktuelle Titelverteidiger der DM 55+, nein, er gewann zusammen mit seinen jeweiligen Teams auch die 55+ von 2016 sowie die Triplette aller Alterstufen 2014, die Doublette 2010 und 2012 und die Doublette mixte 2009! Auch als Individualspieler war er überaus erfolgreich, wie seine Tête-à-tête-Titel 2004, 2008 und 2009 beweisen, ebenso wie die Tireurmeisterschaft von 2008. Mithin ist er eine lorbeerbekränzte Lichtgestalt der DPV-Geschichte, ein herausragender Sportler, dem jeder Pétanquebegeisterte gerne einmal in einem Wettkampf begegnen möchte!

Team Ost01 war dagegen bei dieser DM eine mit heißer Nadel gestrickte und nach der kurzfristigen Absage von Landesmeisterin Rita Böttcher erst in letzter Minute zusammengestellte Zufallsmischung. Auf deren Trikots stand zwar „Chemnitz“, aber war auch wirklich Chemnitz drin? Am ehesten noch konnte man das von Teamsenior Detlef Schwede behaupten, der in seinem Leben immerhin mal vier Jahre in Chemnitz verbracht hat und während dieser Zeit zu den Gründervätern des 1. CPC gehörte, bevor es ihn berufsmäßig ins finstere und boulistisch unbedarfte Erzgebirge verschlug. Ursprünglich stammt er aus dem mit 24 Teams bei der 55+-DM überreich bestückten Bundesland NRW, wie auch Mitspieler Ingo Wonsack beileibe kein Sachse ist, sondern in Thüringen aufwuchs und jetzt in der Schweiz lebt.

Die dritte Komponente dieses illustren Multikulti-Teams wurde den beiden zwar nicht direkt durch eine Dating-Agentur zuerteilt, sondern dank der Mithilfe der in PV Ostkreisen gut bekannten Hoferin Lore Vecile im bayrischen Verband gefunden. Es handelt sich um Gabriela Franke vom PCNC Nürnberg, die in diesem Jahr immerhin Vizemeisterin bei der LM Bayern Frauen Triplette geworden ist.

Nun stand also das Duell gegen Testas in Aussicht. Zuvor musste allerdings noch die Begegnung gegen NRW14 gewonnen werden, ein aus zwei Solingern und einem Ratinger zusammengestelltes Altherren-Team. Und es beginnt gleich mit einem Paukenschlag: Mit Hilfe eines glücklichen Sauzugs und überzeugend hineingespielter Nachfolgekugeln gelingt ein Sechserpack!

Nun gibt es kein Halten mehr: Nachdem der Gegner in den beiden folgenden Aufnahmen jeweils einen Punkt gutgemacht hat, ist nun wieder PV Ost am Zug und schafft einen Dreierpack. 9:2 – nur eine kleine Anstrengung noch, und die ersehnte Testas-Begegnung kann beginnen!

Aber nun ist erstmal der Gegner dran. Gnadenlos rollen sie das Feld von hinten auf, nutzen Unaufmerksamkeiten der Chemnitzer, verbuchen nacheinander zwei Zweier- einen Vierer- und dann wiederum einen Zweierpack. 9:12 – der Traum von Testas scheint ausgeträumt!

In letzter Minute besinnt man sich, kommt über 11:12 schließlich zum Ausgleich. Und diese vorletzte Aufnahme hat es in sich, denn Detlef und Ingo haben insgesamt drei Kugeln auf der Hand, mit der sie den Sack zubinden können!

Aber sie schaffen es nicht, auf neun Meter eine ihrer Kugeln in einen Bereich von circa 30 cm von der Sau zu legen, und somit muss das Spiel in der allerletzten Aufnahme entschieden werden.

Hier wird es dann nochmal hochdramatisch: Nachdem NRW14 Punkt 13 gelegt hat, scheint der Druck für Tireur Ingo zu hoch zu sein, er feuert gleich zweimal daneben. Milieu Detlef hat nun die letzten Teamkugeln auf der Hand, und er gilt nicht als sehr schussgewaltig. Immerhin gelingt es ihm aber, die gegnerische Kugel ein Stück weit wegzubefördern, während gleichzeitig die Sau mitgeht, bis auf eine Entfernung von 12 Metern. Er muss nachlegen, macht auch den Punkt, aber nun ist sein Team leer und muss der Dinge harren, die da noch kommen.

Die ersten Schüsse von NRW gehen daneben, aber dann erfolgt ein glücklicher, so vielleicht nicht ganz gewollter Sautreffer. Das Borstentier springt ungestüm nach vorn und verabschiedet sich ins Nirwana. NRW14 hat noch eine Kugel auf der Hand – das ist der Punkt, der noch fehlt. Und sie dürfen nun der nächsten Partie entgegenfiebern, wo sie es sind, die Testas herausfordern und nicht Ost01…

Durch diesen Misserfolg ist das Ost-Team mental derart getroffen, das es in der nächsten Begegnung nicht mehr viel zustande bringt. Bayern11, das zuvor gegen Testas immerhin sechs Punkte erzielte, hat leichtes Spiel und gewinnt mit 13:3.

Team Ost02, zusammengestellt aus Christoph Nolden (Leipzig) sowie den Hallensern Klaus-Jürgen Zimmermann und Matthias Buck hat zunächst mehr Erfolg. Sie besiegen NRW07 (alle von Pétanque Troisdorf 1999) souverän mit 13:6. Gegen Bayern13 läuft es dann genau umgekehrt, aber es bleibt ja noch die Barrage. Und hier läuft es gegen den Gegner BaWü05 (Tübingen/Stuttgart/Sandhofen) recht gut, man führt erst 6:3 und dann auch noch mal mit 10:9. Nun allerdings setzt sich die Routine der Schwaben durch, und das zweite PV Ost-Team ist ausgeschieden.

Ost03, mit Ruth Skala (Kahla), Günter Berg (Jena) sowie dem „Einspringer“ Jörg Kriebel (Dresden) ergeht es ähnlich wie Ost01, und sie legen gegen Bayern06 (alle aus Schnackenwerth, wo auch immer das ist, alle mit dem Nachnamen Groß!) einen beherzten Fight hin, indem sie am Ende knapp mit 11:13 unterliegen. Nun allerdings ist auch bei ihnen die „Pulle leer“, sie kommen mit dem harten und nicht leicht berechenbaren Boden nicht mehr klar und kassieren eine 5:16-Schlappe.

Über das Abschneiden der PV Ost-Teams im B-Turnier wird an dieser Stelle nicht berichtet – es lohnt sich nämlich nicht. Immerhin gibt es einen Trost, außer dem, dass man insgesamt viel Spaß hatte, neue Menschen kennenlernen und seinen boulistischen Horizont erweitern konnte: Auch für Jean-Luc Testas wachsen die Träume nicht in den Himmel! Nach einem bis dahin makellosen Parcours findet er im Halbfinale seinen Meister und unterliegt mit 10:13 gegen Team Saar02…

Ausgeträumt: Ingo Wonsack, Gabriela Franke, Detlef Schwede
Erfolglos, aber immerhin Spaß gehabt: Jörg Kriebel, Ruth Skala, Günter Berg
Nach ihrem ruhmlosen Ausscheiden im B-Turnier hatten die PV Ost-Teams ausgiebig Zeit, die Natur des Nibelungenwalds zu bewundern…

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