
In der grauen Vorzeit des PV Ost fanden Tête und Tireur-LM noch am gleichen Tag statt, so etwa 2010 in Jena, als drei Viertel der anwesenden Tête-Spieler und Spielerinnen auch gleichzeitig am Schießwettbewerb teilnahmen. Dies führte zu einem heillosen Organisationsnotstand – es war schlichtweg nicht genügend Tageszeit vorhanden, um alle Wettkämpfe korrekt durchzuführen.
Somit war es logisch, dass die LM auf zwei Tage aufgesplittet wurde – zwar weiterhin am gleichen Ort, aber halt mit der Notwendigkeit für die von weiter Angereisten, sich um eine Übernachtung kümmern zu müssen. Die Folge war nun aber leider, dass das Teilnehmerfeld immer geringfügiger bestückt wurde – 2024 fanden sich gar nur sieben Tireure an der Wettkampfstätte in Leipzig ein, in diesem Jahr dann immerhin neun – darunter mit Ella Burkhard (Stahlball) diesmal auch eine Tireuse.
Aus der absoluten Spitzenklasse unserer Schießkünstler waren aber eigentlich nur zwei Akteure am Start: die beiden Chemnitzer Gastspieler Dieter Büttner und Hamza Tebal. Sie verbuchten ganz erwartungsgemäß nach der Vorrunde auch die besten Resultate: Hamza 30 Punkte und Dieter 28. Ihr Abstand zu den weiter unten Platzierten war schon beträchtlich:
3.Khelil Boukert (Chemnitz) 14 Punkte
4.Detlef Schwede (Chemnitz) 13 Punkte
5.Stephan Laudien (Weimar) 11 Punkte
6.Ella Burkhard und Karl Blütchen (beide Stahlball) je 8 Punkte
8.Jens Farag (Leipzig) 4 Punkte
9.Douran Ahmad (Horken-Kittlitz) 0 Punkte
Obwohl es bei derart unterirdischer Punktausbeute eigentlich unverdient war, durften neben Hamza und Dieter noch weitere sechs das Viertelfinale austragen, nur Douran musste vorzeitig die Segel streichen.
Im Viertelfinale ging die Leistungskurve dann gar noch weiter nach unten, und selbst die Überflieger Hamza und Dieter wurden von diesem Virus angesteckt, wie die K.O.-Ergebnisse zeigen:
Hamza-Jens: 20:12
Dieter-Karl: 20:9
Khelil-Ella: 9:10
Detlef-Stephan: 4:7
Nur bei Ella war also ein Aufwind zu verzeichnen, und der sollte dann im Halbfinale sogar noch fortgesetzt werden. Zunächst aber gewann Dieters Kurve wieder an Höhe, er besiegte Stephan klar mit 30:11.
Das Halbfinale zwischen Ella und Hamza verlief ungleich spannender. Nach den ersten drei Ateliers stand es 10:11, und in Atelier 4 (die zu schießende Zielkugel liegt hinter der Hinderniskugel) packte Ella dann ihre Trickkiste aus, und es gelang ihr ein sauberer Schuss, während Hamza viermal lochte. Ella elle l’a? Die Verbindung zum 1987 von France Gall gesungenen Ohrwurm (https://www.youtube.com/watch?v=lgHGU8gqz9U) stellte sich augenblicklich ein – schließlich waren nur noch die Cochonnet-Schüsse zu absolvieren.
Aber Ella “hat es“ dann leider doch nicht: Hamza schießt einmal das Schweinchen sauber aus dem Kreis und touchiert es dann noch ein zweites Mal. Endergebnis: Ella 13, Hamza 19.
Der Weg zum allseits erwarteten Finale zwischen Hamza und Dieter war also geebnet, aber was hier dann passierte, kam doch wieder unerwartet: Plötzlich wird Dieter von der Abwärtsspirale getroffen, und es gelingen ihm nur 7 Punkte! Hamza hingegen läuft wieder zu Hochform auf, und er verbucht 27 Punkte – darunter wieder zwei gelungene Sauschüsse.
Da Hamza aber keine Quali gespielt hatte, fährt nun Dieter – wie schon im letzten Jahr – als Ost-Tireur zur DM.



Ich überlege mir dazu, ob man im Falle der Tête dann nicht doch mal Quali und LM trennen mag? Tête-Quali und Tir-Quali an einem Tag, LM am anderen Tag? Aus meiner (sicherlich begrenzten) Sicht wäre das schön, denn dann würde ich auch mal wieder mitballern können. Aber nur für das Schießen einen extra Tag vom Wochenende… das mache ich nicht.