
24 Doublettes waren bei angenehmem T-Shirt-Wetter angetreten, und da konnte der Veranstalter sogleich frohlocken, denn das war ja eine fantastische Zahl, um die Abfolge zu optimieren. Denn nun bot sich nach der Vorrunde eine Aufteilung in drei K.O.-Turniere geradezu an, mit jeweils acht Teams.
Unter den Teilnehmer(inne)n befand sich mit Julian Christ, Hannes Blechinger und Stefan Lauche die komplette Top 3 der PV-Ost-Rangliste – die Nummer 4 Lukas Weber musste nach seinem erfolgreichen Kommentatoren-Auftritt beim jüngst absolvierten Jugendländermasters an gleicher Stelle diesmal leider passen. Ansonsten fiel auf, dass eine überwiegende Mehrheit 55 Jahre und älter alt waren – fast könnte man also von einem Veteranen-Event sprechen! Würden diese zwar Hochbetagten, aber boulistisch doch höchst Erfahrenen dem Vergleich mit den jüngeren, vielleicht spritzigeren Vertretern der Pétanque-Zunft noch einmal standhalten können?
Ein klarer Favorit war natürlich Stefan Lauche, der sich mit einem ganz jungen Spieler zusammengetan hatte: mit dem Espoir Nick Zimmerle, der zwar in Chemnitz beheimatet ist, aber im Ligateam genau wie Stefan für Dresden spielt. Diese beiden erlebten aber bereits in der zweiten Begegnung der Vorrunde einen Setback, als sie gegen Dieter Büttner und Manuela Schneider, beide für Chemnitz antretend und der Ü-55-Riege angehörend, nach Beendigung des Zeitlimits mit dem Low-Score-Result von 5:6 die Segel streichen mussten.
So weit, so gut – so vorhersehbar. Immerhin ist Dieter die Nummer 5 der Rangliste und Manuela als herausragende Legespezialistin bekannt. Trotzdem sollte es zur Qualifikation für das A-Turnier aber noch reichen – zumal als nächste Gegner zwei Ü-60-Spieler bereitstehen: die Chemnitzer Dieter Neubert und der einstmals als „Kranich“ berühmt-berüchtigte Detlef Schwede, der aber inzwischen in die unteren Gefilde der Rangliste abgetaucht ist.
Diese Begegnung gestaltete sich dann aber als überraschend ausgeglichen. Detlef, dessen Trefferquote sich in der ersten Vorrundenpartie der Null-Prozent-Marke angenähert hatte, fand plötzlich Spaß am Schießen, während Nick einige Male lochte, und auch Step ungewohnte Legeschwächen zeigte. Und als gegen Ende Step und Nick eine Aufnahme komplett versaubeutelten, stachen Dieter und Detlef ihre Degen unbarmherzig in die ungeschützte Flanke der Jungspunde und verbuchten souverän einen Viererpack.
Aufgrund des Zeitlimits verblieb nur noch eine Aufnahme, und da hätten Step/Nick also schon einen Fünferpack erzielen müssen, um noch ausgleichen zu können. Das geht im Pétanque, wenn man ausschließlich Carreaux-sur-place schießt – und die entsprechende Fähigkeit dazu haben die beiden zweifellos. Diesmal funktionierte das Vorhaben aber nur in den ersten zwei Versuchen, danach wurde gelocht – und die Chemnitzer machten folgerichtig den Sack zu. Immerhin hielten Step und Nick sich dann aber anschließend im B-Turnier schadlos und gewannen dieses.
Ein anderes vermeintliches Siegerteam waren die Stahlballer Hannes Blechinger und Julian Christ. Aber auch diese beiden erfüllten die Erwartungen nur halbwegs und mussten sich im A-Viertelfinale klar dem Frauenpower der Hallenserinnen Antje Müller und Dessislava Vardjieva-Eckardt, kurz Dessi genannt, beugen. Die beiden spielten insofern taktisch geschickt, als sie die Zielkugel bevorzugt auf Neun-Meter-Distanzen verlegten, da sie gemerkt hatten, dass die Stahlballer dort ihre Probleme hatten.
Als letzte Vertreter der jüngeren Generationen waren im Viertelfinale auch noch Espoir-Spieler Fabio Trampler und sein immer noch jugendlich-frisch aussehender Vater Heiko vertreten. Sie trafen an dieser Stelle – natürlich – auf Veteranen: den ehemaligen jahrelangen Ranglistenprimus Jens Riedel (LaBR) und den versierten 65+-Spieler Ngo Tran (Halle). Vater und Sohn waren hier bei einem Spielstand von 12:9 eigentlich auf einem guten Weg, vermasselten dann aber die letzte Aufnahme, als Ngo überragend legte, Fabio nur einmal traf und Heiko anschließend zwei Legkugeln vergeigte. Jens sorgte nun mit einem Treffer für Platz, sodass Ngo und er selbst die entscheidenden Kugel in den Zielbereich legen konnten.
Im Halbfinale waren somit nur noch Veteranen und Veteraninnen am Start. Die PV-Ost-Legenden Hartmut Lohß und Ingo Wonsack – Letzterer war eigens für dieses Turnierwochenende aus seiner Wahlheimat Schweiz angereist – beendeten hier den Lauf von Antje und Dessi, wobei sie freilich zwischendurch auch noch zittern mussten, als sie klar in Führung liegend einen Sixpack kassierten, sodass das Endergebnis sich mit 13:10 relativ knapp anfühlt.
Auch im zweiten Halbfinale wurde es noch knapp, als sich Manuela und Dieter bis auf 8:9 an Jens und Ngo herankämpften. In der nächsten Aufnahme kann dann Jens zwar eine gelungene Dieter-Legkugel zweimal nicht entsorgen, aber dafür hat diesmal sein Leger Erfolg, und beschert dem Team zwei weitere Punkte: 11:8. Auch anschließend muss Ngo dann wieder schießen, aber diesmal misslingt sein Vorhaben gleich zweimal – Manuela und Dieter kommen wieder heran: 9:11.
Dann aber doch schon die letzte Aufnahme. Ngo übertrifft die von Manuela gar nicht schlecht gelegte Kugel und dockt an die Sau an. Dieter verschießt seine gesamte Munition und verdonnert seine Partnerin dazu, auch noch einmal zu schießen. Und Manu trifft auch – macht aber nicht den Punkt. Mit ihrer letzten Kugel legt sie dann und lässt dabei so viel Platz, dass Ngo die entscheidende Kugel setzen kann.
Manuela und Dieter hatten in der Vorrunde Hartmut und Ingo klar mit 13:1 geschlagen, sodass diese sich nun schon ausrechneten, dass es im Finale eine vernichtende Packung gegen Jens und Ngo geben würde – aber dann entwickelte sich die Partie doch überraschend ausgeglichen. Zwar gingen die ersten zwei Aufnahmen in die Hose – es stand 0:6 – aber die nächsten drei Aufnahmen konnten die zwei für sich verbuchen, zum 4:6. Und nach zwei weiteren Punkten für Ngo/Jens kamen sie wieder zurück und es stand unentschieden 8:8.
Nun jedoch verlegt Ingo seine Kugeln, Hartmut gelingt zwar der erste von zwei Schüssen, aber sein zweiter gerät zu lang. Sein anschließender Legwurf trifft einen Stein und spritzt sonstwohin. Jens und Ngo nutzen diese Schwächephase gnadenlos aus, und es steht 12:8.
Aber das ist noch nicht das Ende, Jens‘ Schüsse treffen bei drei Versuchen nur einmal, und Ingos 30 cm links-lang gelegte Kugel macht den Punkt: 12:9!
Die letzte Aufnahme: Ingo wirft die Sau auf 8 Meter bis kurz vor den seitlichen Rand. Seine Kugel gerät 50 cm zu kurz, sodass Ngo problemlos überholen kann. Nun kommt „großes Boule“: Ingo schiebt seine eigene Kugel nach vorn und macht den Punkt. Ngos Konter geht ins Aus, und auch seine dritte Kugel kann den Punkt nicht zurückerobern, sodass Jens mit einem gezielten Schuss wieder für klare Verhältnisse sorgen muss. Team Hartmut/Ingo hat noch vier Kugeln auf der Hand, aber die werden sämtlich verlegt. Unrühmliches Ende zwar, aber die Freude über den Vizetitel und das Bewusstsein, weitgehend mitgehalten zu haben, überwiegt dann doch!
Endergebnis A-Turnier:
Sieger: Ngo Tran/Jens Riedel (Halle/Dresden)
Finalisten: Hartmut Lohß/Aïssa Meghnine (Chemnitz)
Dritter Platz:
Dieter Büttner/Manuela Schneider (Chemnitz)
Vierter Platz:
Dessislava Vardjieva-Eckardt/Antje Müller (Halle)
Viertelfinalisten:
Fabio Trampler/Heiko Trampler (Dresden; verlieren 12:13 gegen Ngo/Jens); Heiko Neumann/Patrick Lehmann (Horken-Kittlitz; 12:13 gegen Hartmut/Ingo); Julian Christ/Hannes Blechinger (Stahlball; 2:13 gegen Dessi/Antje); Marcel Neumann/Douran Ahmad (Chemnitz/Horken-Kittlitz; 1:13 gegen Manuela/Dieter)
Sieger B-Turnier:
Nick Zimmerle/Stefan Lauche (Dresden)
Zweiter Platz:
Milena und Veikko Dähne (Halle)
Drittter Platz:
Michael Lorenz/Holger Typlt (Halle/Leipzig)
Sieger C-Turnier:
Henriette Gröper/Valentin Hauber (Stahlball)







Der Detlef hat nicht nur Spaß am Schießen, sondern wunderbarerweiser auch am Schreiben 🙂 Danke!!
Danke für die Blumen, lieber Der Felix!