Ein Bericht von Henry Jürgens (DPV)
„So jung und so hochklassig besetzt wie noch nie zuvor.“
Vom 8. bis 14. Juni 2026 fand in Schönebeck an der Elbe der pétanquespezifische Praxisteil der DOSB-Ausbildung zum C-Trainer Breitensport Boule statt. Durchgeführt wurde die Ausbildung vom neu gegründeten DPV-Lehrteam.
Im wunderschönen Ambiente des Schönebecker Kurparks sowie in den Seminarräumen der Alten Bäderverwaltung kamen am Montagvormittag zehn angehende Trainer aus den Landesverbänden Ost, Berlin, Nord, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zusammen. Da es sich ausschließlich um männliche Teilnehmer handelte, wird im Folgenden bei Bezug auf die Ausbildungsgruppe nicht gegendert.
Die Dozenten – allesamt Pétanque-Trainer mit B-Lizenz, der derzeit höchsten Ausbildungsstufe im deutschen Pétanque – hatten sich viel vorgenommen. Erstmals wurde der neu konzipierte Lehrplan des DPV in einer Ausbildung umgesetzt. Ziel ist es, künftig bundesweit einheitliche Qualitätsstandards in der Trainerausbildung zu etablieren.
Besonderer Wert wurde dabei auf die praktische Vermittlung gelegt. Bereits vom ersten Tag an standen die angehenden Trainer selbst vor der Gruppe und sammelten Erfahrungen in Lehrsituationen. Durch diese konsequent praxisorientierte Herangehensweise wurden die Teilnehmer Schritt für Schritt methodisch, didaktisch und fachlich darauf vorbereitet, nach Abschluss der Ausbildung selbst als Trainer tätig zu werden.
Technikleitbild und diagnostischer Blick
Die Ausbildungswoche begann mit dem DPV-Technikleitbild zu den Grundtechniken des Pétanque. Ulf Werner, der sich bereits im Rahmen seiner B-Trainer-Ausbildung intensiv mit den physikalischen Grundlagen des Wurfes beschäftigt hatte, vermittelte spannende Einblicke in die Mechanik hinter verschiedenen Wurfarten, Flugkurven und physikalischen Wirkungsprinzipien.
Selbst erfahrene Teilnehmer konnten dabei neue Perspektiven gewinnen, die ihnen künftig als wertvolles Hintergrundwissen für qualitativ hochwertiges Training dienen werden.
Anschließend wurden Videoaufnahmen aller Teilnehmer genutzt, um den diagnostischen Blick zu schulen und individuelle technische Korrekturen zu erarbeiten. Dabei zeigte sich die große Expertise innerhalb der Ausbildungsgruppe ebenso wie im Lehrteam. Auch das eigene Spiel durfte hiervon profitieren: Einige Teilnehmer konnten bereits im Verlauf der Woche sichtbare technische Fortschritte erzielen.
Trainingswissenschaft auf dem Platz
Der Dienstag stand ganz im Zeichen der Trainingswissenschaft und ihrer praktischen Umsetzung auf dem Platz.
Gute Ateliers aufzubauen gelingt vielen selbsternannten Trainer*innen. Nachhaltige Leistungsentwicklung entsteht jedoch erst durch die Verknüpfung mit trainingswissenschaftlichen Grundlagen wie Belastungssteuerung, Differenzierung, biomechanischen Zusammenhängen oder motorischem Lernen.
Michael Karger, der sich im Rahmen seiner B-Trainer-Ausbildung intensiv mit diesen Themen beschäftigt hat, vermittelte die Inhalte kompetent und praxisnah.
Teamkommunikation und Matchplan
Am Mittwoch stieß mit Tom Schmieder-Jappe ein weiterer erfahrener Trainer des DPV-Lehrteams hinzu. Im Mittelpunkt standen die Themen Teamkommunikation und Matchplan.
Dabei kam erstmals ein neu entwickelter Arbeitsbogen zum Matchplan zum Einsatz. Das Lehrteam hat zahlreiche Ausbildungs- und Arbeitsmaterialien entwickelt, die bewusst als dynamische Werkzeuge angelegt sind und kontinuierlich weiterentwickelt werden können.
Neue Impulse aus der Fortbildung „Coaching for Coaches“ der französischen Fédération Française de Pétanque et Jeu Provençal (FFPJP), die Antje Freudenthal und Henry Jürgens besucht hatten, fanden so unmittelbar Eingang in die DPV-Unterlagen. Besonders die modernen Ansätze zur Matchplanung stießen bei den Teilnehmern mit Ambitionen im Leistungsbereich auf großes Interesse.
Mentaltraining: Zauberei oder harte Arbeit?
Der Donnerstag war dem Mentaltraining gewidmet. Chris Fehling aus Hamburg, B-Trainer und zertifizierter Mentaltrainer, gab eine kompetente und zugleich begeisternde Einführung in dieses komplexe und für den Pétanque-Sport äußerst relevante Themenfeld.
Ist Mentaltraining Zauberei oder hartes Training? Wie kann ich meine Konzentrationsfähigkeit beeinflussen? Und worauf konzentriere ich mich überhaupt?
Die frisch ausgebildeten Trainer können hierzu künftig sicherlich bereits einiges in ihren eigenen Trainings vermitteln.
Vorbereitung der Lehrproben
Am Freitag stand die Vorbereitung der Unterrichtsreihen im Mittelpunkt. In Kleingruppen arbeiteten die Teilnehmer an dem „roten Faden“ ihrer Lehrproben und bereiteten ihre Unterrichtseinheiten vor.
Fragen wie „Passen die Übungsformen?“, „Wie vermittle ich Inhalte verständlich?“, „Sind alle Lernenden aktiv eingebunden?“ oder „Sind Sicherheitsaspekte ausreichend berücksichtigt?“ standen dabei im Fokus.
Wie auch während der gesamten Woche gab es reichlich Gelegenheit für praktische Arbeit sowie zahlreiche Hinweise und Anregungen des Lehrteams.
Prüfungstag mit „Mettkampfbrötchen“
Der Prüfungstag begann mit drei großen Tüten „Mettkampfbrötchen“, die ein Teilnehmer mit einem Augenzwinkern spendierte – verbunden mit einem humorvollen Verweis auf die optimale Wettkampfernährung, die Tom Schmieder-Jappe und Michael Karger zwei Tage zuvor thematisiert hatten.
Diese kleine Geste spiegelte die besondere Atmosphäre innerhalb der Ausbildungsgruppe wider: respektvoll, unterstützend und von echtem Gemeinschaftsgefühl geprägt.
Der anschließende Prüfungstag übertraf die Erwartungen des Lehrteams. Die überwiegend hervorragenden Lehrproben machten deutlich, welches Potenzial in der „Klasse von Schönebeck“ steckt.
Zugleich zeigte sich, dass die gewählte Methodik für alle angehenden Trainer einen Mehrwert schaffen konnte: Einen ganzen Tag lang gab es die Gelegenheit, Training aus verschiedenen Perspektiven zu erleben, Feedback zu geben und anzunehmen sowie besonders charmante, clevere oder passende Trainingsideen direkt mitzunehmen.
Feedback, Spielformen und nächste Schritte
Der Sonntag begann mit verschiedenen Spielformen und deren Einsatzmöglichkeiten im Training. Dabei wurde immer wieder der Bezug zu trainingswissenschaftlichen Grundlagen hergestellt.
Anschließend nahm eine ausführliche Feedbackrunde zur Ausbildungswoche breiten Raum ein. Dem Lehrteam war ein differenziertes Feedback besonders wichtig, um Entwicklungspotenziale in der Konzeption und Durchführung der Ausbildung aufzuzeigen sowie Wünsche und Ideen der Teilnehmer aufzunehmen.
Darüber hinaus wurde gemeinsam erarbeitet, welche Inhalte für die nächsten Ausbildungs- und Entwicklungsschritte besonders relevant sind.
Ein wichtiger Schritt für die Qualität im DPV
Für viele Teilnehmer stellt die Ausbildung nur den Einstieg in eine weiterführende Trainerlaufbahn dar. Einige von ihnen streben bereits perspektivisch Aufgaben im leistungsorientierten Bereich an.
Vor der Ausstellung der offiziellen DOSB-Lizenzen müssen die Teilnehmer noch Hospitationen absolvieren, einen Erste-Hilfe-Kurs nachweisen, den DOSB-Basislehrgang einschließlich der Lerneinheiten zur Prävention sexualisierter und interpersoneller Gewalt abschließen sowie ihr eigenes Pétanque-Projekt dokumentieren.
Das DPV-Lehrteam freut sich schon jetzt darauf, dass die neuen Trainer mit ihrem Wirken an ganz unterschiedlichen Orten, in breiten Aufgabengebieten und mit viel Begeisterung etwas zum Standard und zur Qualität im Pétanque im DPV beitragen werden.
Lust auf eine DPV-Ausbildung? – Der nächste Kurs startet bereits im September in Baden-Württemberg, allez!


