18. Stadtmeisterschaft Chemnitz: Überlegene Klasse auch bei widrigsten Bedingungen

Unangefochtene Sieger: Mahmut und Laura
Unangefochtene Sieger: Mahmut und Laura

Die 18. Chemnitzer Stadtmeisterschaft wird als die erste komplett verregnete in die Vereins- und Verbandsannalen eingehen. Nichtsdestotrotz hatten sich 35 unentwegte Doublettespieler und -spielerinnen auf dem völlig aufgeweichten Gelände am Schloßberg eingefunden, also sogar noch eine Kombination mehr als im Vorjahr bei akzeptablem Wetter. Nicht auszudenken, welche Rekordzahlen erreicht worden wären, hätte man Petrus an diesem Tag in gnädigerer Stimmung angetroffen!

Anwesend waren aber immerhin zwei deutsche Meister, davon einer amtierend (Jens Riedel/Tireur) und einer aus dem Vorjahr (Mahmut Tufan/Doublette). Hinzu gesellte sich eine stattliche Auswahl von PV-Ost-Spitzenspielern vorwiegend aus den Hochburgen Dresden, Leipzig, Halle, Jena und Chemnitz. Bei den Teamzusammenstellungen fiel wiederum eine in letzter Zeit häufiger zu beobachtende Tendenz auf: Das Bäumchen-Wechsel-dich-Prinzip gelangte wiederholt zur Anwendung, d.h. es wurde vom überschaubaren Weg der eingespielten Klub-Partnerschaften abgewichen, und etwas Neues mit Spielern oder Spielerinnen anderer Vereine ausprobiert. So spielte etwa Jens erstmalig mit der frisch qualifizierten Chemnitzer Damen-DM-Teilnehmerin Antje Müller zusammen oder Sabine Friedel (Dresden) mit Veikko Dähne (Halle). Selbst ein so eingespieltes Erfolgsduo wie Peter Adrian/Andrey Kriwoscheew (Jena) wurde gesprengt, um Raum für neue Verbindungen zu schaffen: Peter mit Leopold Schwarze (Leipzig) und Andrej mit Tom Tschintscharadse (Dresden). Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen – sicher ein Beweis sowohl für die gewachsene Kommunikationsbereitschaft in unserem Verband als auch für das Bestreben, die eigene Spielstärke durch die Orientierung an anderen Einflüssen neu auszurichten und zu erweitern.

Das Turnier wurde wie gehabt nach dem Maastrichter System ausgetragen, also wieder mit drei Vorrundenbegegnungen mit anschließender Verteilung auf die KO-Turniere A-B-C-D je nach Abschneiden im Ranking. Eine Überlegung, die Vorrunde um eine Partie zu erweitern, um eine gerechtere Auswahl treffen zu können, wurde mit Hinblick auf die schlechte Wetterlage wieder fallengelassen. Da konnte es natürlich passieren, dass eine einzige „dumm gelaufene“ Niederlage fatale Auswirkungen hatte und sich so mancher Favorit um das A-Turnier gebracht sah, so wie es etwa Antje und Jens widerfuhr, die sich nach der überraschend klaren 3:13-Auftaktpleite gegen Gerald Adler/Maykham Lovankheo aufgrund fehlender Buchholzpunkte unerwartet im C-Turnier widerfanden.

Besser erging es dem anderen DM-Champion, Mahmut, der zusammen mit EM-Espoirs-Teilnehmerin Laura Schneider (Dresden) das Turnier derart dominierte, dass die beiden das anspruchsvolle Terrain aufgrund des Mangels an gleichwertiger Konkurrenz als Experimentier-Spielwiese nutzen konnten. Auf diese Weise ließen sie in den ersten vier Spielen den Gegnern immerhin 24 Punkte zukommen. In Halbfinale und Finale war dann jedoch Schluss mit lustig, humorlos und im Eiltempo setzten sich Laura und Mahmut problemlos durch und gestatteten der Konkurrenz jeweils nur noch einen Ehrenpunkt.

Im Finale spielte Mahmut zudem noch selbst den Rivalen Tom und Andrey in die Karten, durch das saubere Wegschießen einer eigenen Kugel. Nach diesem 0:1 folgten lediglich noch vier weitere schmerzlose Aufnahmen. Beeindruckend hier der vorentscheidende Sechserpack beim Stand von 2:1, auch wenn Toms in diesem Finale zu Tage tretende Schussschwäche dem Reibach Vorschub leistet. So kann die von Laura 10 cm rechts von der Sau hingelegte Kugel erst fünften Versuch entzaubert werden – durch einen direkt an den Zielpunkt platzierten Wurf Andreys. Nun tritt Mahmut in den Ring, seine Schusskugel entsorgt nicht nur den Gegner, sondern bleibt gleichzeitig als zweiter Punkt liegen – ein Carreau „presque sur place“. Tom kontert, legt sein Eisen direkt neben das Cochonnet. Aber auch das hilft nichts, eine weiteres Carreau von Mahmut erbringt Siegpunkt Nummer 3. Die weiteren drei Kugeln in den sicheren Hafen zu bringen, ist jetzt nur noch Formsache.

Erwähnenswert noch der Chemnitzer Hobbyspieler Sascha Kaden, den selbst am heimischen Schloßberg kaum jemand kennt. Zum Turnier kommt er einfach mal „auf Verdacht“ und angelt sich als Partner den Dresdner Florian Krahmer, dessen eigentlich vorgesehener Mitspieler Patrick Lehmann kurzfristig absagen musste. Schießen kann Sascha, der erst zu Jahresbeginn die erste Boulekugel seines Lebens in die Hand genommen hatte, zwar noch nicht so gut, aber dafür hat er ja Florian, der diese Aufgabe an diesem Tag vortrefflich erledigt. Darauf aufbauend legt Sascha eine stattliche Anzahl brauchbarer Kugeln, sodass am Ende ein nie erträumter vierter Platz herauskommt.

Kleines Mysterium am Rande: Auf der Teilnehmerliste befindet sich ein Spieler namens „Thomas Voigt“, der immerhin zusammen mit seinem Mitspieler Jan Schwalbe das Viertelfinale B-Turnier erreicht. Aber ist da, wo „Thomas Voigt“ draufsteht, auch wirklich „Thomas Voigt“ drin? Der allseits bekannte und beliebte Leipziger Ex-Bundesligaspieler und Baron-Münchhausen-Gewinner wurde jedenfalls an diesem Spieltag nicht auf dem Schloßberg gesichtet. Handelt es sich bei „Thomas Voigt“ also um ein Fake, eine Nachbildung? Oder gibt es tatsächlich einen neuen „Thomas Voigt“, der in die Fußstapfen des alten treten möchte? Sachdienliche Hinweise in dieser Angelegenheit sind jederzeit willkommen…

Die wesentlichen Ergebnisse und Platzierungen:

Finale, A-Turnier:

Laura Schneider/Mahmut Tufan (Dresden/Osterholz-Scharmbeck) – Tom Tschintscharadse/Andrey Kriwoscheew (Dresden/Jena): 13:1

Spiel um Platz 3, A-Turnier:

Sabine Friedel/Veikko Dähne (Dresden/Halle) – Florian Krahmer/Sascha Kaden (Dresden/Chemnitz): 13:7

Viertelfinal-Verlierer:

Michael Balasz/Detlef Schwede (Chemnitz): 6:13 gegen Schneider/Tufan

Marcel Neumann/Bastian Wienrich (Chemnitz/Horken-Kittlitz): 6:13 gegen Tschintscharadse/Kriwoscheew

Edeltraud Lorenz/Stephan Weigel (Leipziger Land/Chemnitz): 5:13 gegen Friedel/Dähne

Albert Wendt/Richard Wendt (Dresden): 8:13 gegen Krahmer/Kaden

Ergebnisse Halbfinale:

Schneider/Tufan – Krahmer/Kaden: 13:1

Tschintscharadse/Kriwoscheew – Friedel/Dähne: 13:8

STADTMEISTER 2014: LAURA SCHNEIDER/MAHMUT TUFAN

Finale, B-Turnier:

Dieter Büttner/Andreas Runck (Dresden) – Gerald Adler/Maykham Lovankheo (Dresden): 13:9

Spiel um Platz 3, B-Turnier:

Fethi Aoussi/Tangi Andro (Dresden) – Oliver Baer/Peter Giebisch (Dresden/Hannover): 13:12

Finale, C-Turnier:

Antje Müller/Jens Riedel (Chemnitz/Leipzig) – Jens Farag/Hakka Jähnig (Leipzig): 13:8

Finale D-Turnier:

Grit Kalies/Heiko Kalies (Leipzig) – Martin Haupt/Peter Blank (Jena): 13:5

Vorrunde, 3 Runden Schweizer System:

1.Schneider/Tufan 3 – 6 – 13 – 20

2.Tschintscharadse/Kriwoscheew 3 – 5 – 15 – 15

3.Lorenz/Weigel 3 – 4 – 19 – 18

4.Wendt/Wendt 3 – 3 – 15 – 28

5.Krahmer/Kaden 2 – 7 – 12 – -5

6.Friedel/Dähne 2 – 6 – 14 – 12

7.Neumann/Wienrich 2 – 6 – 13 – 2

8.Balasz/Schwede 2 – 5 – 16 – 1

Vizestadtmeister: Tom und Andrej
Vizestadtmeister: Tom und Andrej
Aus erst im Viertelfinale A: Stephan Weigel und Edeltraud Lorenz
Aus erst im Viertelfinale A: Stephan und Traudl
Spitzensport auf aufgeweichtem Boden: Veikko beim Abwurf
Spitzensport auf aufgeweichtem Boden: Veikko beim Abwurf

3 Kommentare zu “18. Stadtmeisterschaft Chemnitz: Überlegene Klasse auch bei widrigsten Bedingungen

  1. Schöner Bericht, Kranich! Habe auch sehr gelacht über meine „zu Tage tretende Schussschwäche“. Hast Du gut und richtig gesehen 😉

  2. Hui, sehe grad, dass ich noch mit dem Deutschen Meister zusammen gespielt habe (zumindest gegen Traudel und Stephan)oder ist Antje jetzt meine Frau!? Alles neue Dinge und ich fühl mich überfordert :))

  3. Stimmt! Kleiner Fehler, der in der Eile passiert ist und sofort korrigiert wird. Außerdem habe ich „Tschintscharadse“ ein paar Mal falsch geschrieben…