LM 55+ in Halle: Außenseiter nach vorn!

Schöne Bäume, aber wo sind die Medaillen? Detlef, Moni und Mario freuen sich trotzdem!

Die Temperaturen waren zum Glück nicht ganz so extrem in die Höhe geklettert wie befürchtet, sodass die LM reibungslos abgewickelt werden konnte, auch dank eines funktionierenden Caterings, das – erstmalig bei PV Ost LMs – zudem mit kostenloser Mineralwasserversorgung aufwartete!

„Schöne Bahnen unter den Bäumen“ schrieb jemand im Kommentar, und obwohl das malerische Ambiente am Saaleufer in den PV Ost-Landen seinesgleichen sucht, gingen die Meinungen bezüglich des sportlichen Wertes dieses Terrains dann doch auseinander. Die Bezeichnung „Kullerboden“ wurde oft vernommen, und in der Tat, den Zufällen war Tür und Tor geöffnet, und obwohl jeder und jede der erfahrenen Leger und Legerinnen stets einen Plan gefasst hatte, musste er oder sie oft erleben, wie die Kugeln aufmüpfig ihre eigene Strategie entwickelten und in Bereiche kullerten, die man sich einfach nicht erklären konnte.

Als ebenso schwierig erwies sich das Schießen. Man erlebte es häufig, dass eine Schusskugel, die knapp vor der wegzuräumenden Kugel aufkam, diese froschmäßig übersprang und anschließend ins Nirgendwo hüpfte. Somit gab es eigentlich nur zwei Optionen für einen erfolgreichen Schuss: Entweder man traf äußerst präzise direkt auf Eisen, oder man visierte das Ziel flach und gerade an – was freilich nur dann funktionieren konnte, wenn der Weg bis dorthin frei war. Es erwies sich also als sinnvoll, nicht erst lange zu warten, sondern eine zwingende Kugel des Gegners sofort zu entsorgen.

Daraus ergibt sich nun, dass die Hallenser Bahnen wie prädestiniert erscheinen für unerwartete Außenseiter-Erfolge, ganz anders also als das Blau-Weiß-Boulodrom in Chemnitz, wo sich bei der letzten Doublette-LM am Ende nur die spielstärksten Teams folgerichtig durchsetzten.

Aber würden die Underdogs auch der enormen nervlichen Belastung standhalten können, um einen der Big Players zu besiegen?

Bigger geht es kaum noch: Das Team Dieter Büttner/Jens Riedel/Knut Fischer (Chemnitz/Dresden/Halle) hatte es bei der letzten DM in Berlin bis ins Sechzehntelfinale geschafft und so einen weiteren Startplatz für unseren Verband erobert. Aber nun? Schon in der ersten Runde gab es Schwierigkeiten, und man benötigte 97 Minuten, um das Außenseiter-Team aus Schönebeck (Bert Ewert, Heike Ewert, Helga Imken), dessen Komponenten nicht einmal in unserer Rangliste registriert sind, mit 13:9 zu besiegen.

Und es kam noch schlimmer: In der zweiten Runde brauchte man fast zwei Stunden, um dann nicht zu gewinnen, und das gegen ein „zusammengewürfeltes“ Team: Christoph Nolden (Chemnitz), Dessislava Vardjeva-Eckhardt (Halle) und der aus Hessen angereiste Hein Fuhrmann behielten mit 13:8 die Oberhand.

Und noch eine Niederlage musste das Dream-Team einstecken, wieder mit 8:13, diesmal gegen zwei Spieler, die sich aufgrund langjähriger Erfolge (fast) auf Augenhöhe mit den Genannten befinden: Gundolf Henschel und Ngo Tran. Aber auch sie hatten mit Thomas Bille einen Außenseiter in ihre Hallenser Formation aufgenommen…

Am Ende gelang dann zwar noch ein klarer Sieg: 13:2 gegen weitere Schönebecker (Dirk Schäfer, Gerald und Ulrike Theumer), aber es reichte in der Endabrechnung diesmal nur für Platz 6. Sei’s drum, wird man sich denken, die Bedingungen auf dem neuen Boulodrom in Recklinghausen-Suderwich sind technisch anspruchsvoller und bieten somit die Voraussetzungen für ein erfolgreicheres Abschneiden.

Wer konnte nun in das vom Dream Team freigelassene Vakuum hineinstoßen und den 55+-Titel erringen? Darauf kommt man nicht, es war ein Top-Außenseiterteam, dessen Besetzung sich erst zwei Tage zuvor ergeben hatte…

…denn Gerald Adler (Dresden) hatte den zu erwartenden Hitzegraden Tribut gezollt und aufgrund gesundheitlicher Bedenken kurzerhand auf eine Teilnahme verzichtet. Detlef Schwede (Chemnitz) hatte sich eigentlich auf ein gemütliches boulefreies Wochenende gefreut, dann ereilte ihn plötzlich ein unerwarteter Anruf. Am anderen Ende der Leitung: Monika Kupsch (BC Leipziger Land). Die dritte Komponente im Team war Monis Vereinskamerad Mario Krutzki. Und so nahm das Unheil, Quatsch, der Siegeszug seinen Lauf…

In der ersten Runde wurde Detlefs Vereinskameradin Antje Müller, die aber zusammen mit ihren Mitspielern Christian Kautz und Mario Müller für Halle antrat, mit 13:3 regelrecht überrollt. Das Team hatte sich spontan zusammengefunden, und die Aufgabenstellung sich klar ergeben: Moni legte zwingend die ersten Kugeln, Mario räumte gefährliche gegnerische Kugeln mit schnurgeraden Flachschüssen beiseite, und Detlef sorgte als Milieu für die entscheidenden Punkte.

In der Folge wurde der Parcours zwar schwieriger, aber man biss sich trotzdem unerbittlich an den Widersachern fest, und so konnte Detlef in Runde 2 jubeln, da es ihm zum ersten Mal in Jahrzehnten gelungen war, Angstgegner Gundolf zu besiegen, wenn auch knapp mit 13:11 nach 100 Minuten.

Es wurde nicht leichter, war aber weiter erfolgreich. Nun stellten sich die Oberlausitzer Heiko Neumann und Lutz Kühne in den Weg, begleitet vom Hallenser Mohamed („Momo“) Boumelah. Aber bei Momo brach die Schusskrise aus, und seine beiden Mitspieler wunderten sich nur, wo ihre Kugeln immer wieder landeten.

Somit gelangte man also tatsächlich ins „Endspiel“. Gibt es ja eigentlich nicht beim Schweizer System, aber die beiden Teams waren in Runde 4 die einzigen mit zuvor erzielten drei Siegen. Dessi, Hein und Christoph waren die Gegner. Und Moni, Mario und Detlef weiter im Flow und gingen schnell mit 6:0 in Führung…

…aber dann machten sich doch Konditionsschwächen bemerkbar, und ehe man sich versah, stand es plötzlich 9:11 gegen das Würfel-Team. Nicht weniger als zwei Stunden sind schon gespielt, aber nun kommt es zur alles entscheidenden letzten Aufnahme…

Monis zwingende erste Kugel kann vom Gegner einfach nicht entsorgt werden. Irgendwie findet auch noch eine zweite Kugel Aufnahme ins Punktekonto. Der Gegner ist leer, und man selbst hat noch drei Kugeln auf der Hand. Kann das reichen?

Detlef denkt sich: Warum eigentlich nicht? Er weiß, wenn er jetzt nicht liefert, wird der Gegner im Anschluss den Sack womöglich zumachen. Die Zielkugel liegt auf 8 Meter, bis zur nächsten gegnerischen Kugel ist nur wenig Platz. Er atmet kurz durch, dann findet er den Weg! Zwölf!

Zwölf? Da war doch was… Nein, der Gedanke wird sofort verdrängt, ein Blick auf die ruhig vorbeifließende Saale gibt ihm Kraft. Und er findet den Weg noch einmal!

Die Arme werden hochgerissen, eine unbändige Freude breitet sich aus. Wie schön ist es doch zu gewinnen, und besonders dann, wenn niemand zuvor damit gerechnet hat!

Alle Ergebnisse findet ihr wie üblich auf https://pv-ost.ost.pétanque.org/Turnier/turnier.php

Zur DM nach Recklinghausen fahren die folgenden Teams:

Ost 1: Dieter Büttner, Jens Riedel, Knut Fischer

Ost 2: Detlef Schwede, Mario Krutzki, Dessislava Vardjeva-Eckardt

Ost 3: Gundolf Henschel, Ngo Tran, Thomas Bille

Nachrücker 1: Engelbert Eising, Rolf-Dieter Klodt, Thomas Kiefhaber

Nachrücker 2: Antje Müller, Christian Kautz, Mario Müller

Erklärung: Ost 1 war und ist gesetzt. Bei Ost 2 gab es einen Tausch: Dessi, deren Team sich nicht zur Quali gemeldet hatte, ersetzt Moni.

Platz 2: Hein, Dessi und Christoph
Platz 3: Thomas, Gundolf und Ngo

 

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Eine Antwort auf „LM 55+ in Halle: Außenseiter nach vorn!“

  1. Lieber Detlef! Irgendwann reißt jede Serie und unsere Duelle waren immer knapp! Diesmal hat der Kranich das Ruder rumgerissen und verdient gewonnen! Es sei dir von Herzen gegönnt!
    PS. Deine Berichte sind Poesie!
    Gundel 👍🏻

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