DM Triplette Damen in Leipzig

Überraschungsfinale vor Traumkulisse
von Detlef Schwede

Nach der Ausrichtung von drei Deutschen Meisterschaften Tête-à-Tête/Tireure war es nun an der Zeit, dass unser Verband auch einmal einen Team-Event organisieren durfte. Die Wahl fiel dabei auf die Modalität “Damentriplette“, was eine Teilnahme von 64 Teams, also insgesamt 192 Damen beinhaltete.

Als Austragungsort hatte sich nach Halle und Dresden nun diesmal Leipzig zur Verfügung gestellt, angeregt natürlich durch den ortsansässigen Pétanque Verein, der im Volksmund auch “Pastis“ genannt wird und zu den “Dinos“ unserer Bouleszene zählt. Gespielt wurde diesmal nicht auf dem vereinseigenen Boulodrom im Norden der Stadt, sondern vor eindrucksvoller Kulisse am Fuße des Völkerschlachtdenkmals.

Das Ziel, an dieser Stelle Volksmassen anzuziehen und für den Boulesport zu begeistern, konnte freilich nicht ganz erreicht werden, auch wenn gelegentlich Touristen neugierig wurden und sich über eine seltsame, ihnen bis dahin unbekannte Randsportart wunderten, bei der Kugeln geworfen müssen. So blieben die Pétanque-Begeisterten im wesentlichen unter sich, und es entwickelte sich eine ruhige DM mit ansehnlichen, hartumkämpften Spielen auf kompliziertem Boden, im Rahmen einer problemlos ablaufenden Organisation.
Dabei auch ein einziges Team PV Ost, dessen Teilnahme allerdings unter einem ungünstigen Stern stand. Die zum Landesmeisterinnen-Team zählende Tireurin Dana Unger musste nämlich kurzfristig absagen und wurde durch ihre Bamboule-Vereinskameradin Jule Fennel ersetzt. Das war schade, denn Dana hatte sich bei der Quali eindrucksvoll eingeschossen und hätte zur Trumpfkarte werden können, denn herausragende Schussleistungen gehören in der Damenwelt nun einmal doch eher zu den Mangelprodukten.

Unser Team, zu dem neben der erwähnten Hallenserin auch die erfahrene Kahlaerin Ruth Skala und als Shooting-Star die Chemnitzerin Antje Müller gehörten, ging ihre Aufgabe dennoch unverzagt an und erkämpfte sich gegen Saar 1 eine 6:0-Auftaktführung. Das Niveau konnte dann anschließend nicht ganz gehalten werden, und so musste die Partie am Ende dennoch abgegeben werden – man unterlag mit 9:13. In der zweiten Partie gegen BaWü 14 kam es dann leider noch dicker, unsere Damen gewannen nur fünf Punkte und verabschiedeten sich damit schon nach der Poule-Runde.

Immerhin hatten sie nun Gelegenheit zur historischen Fortbildung. Denn die Organisation sorgte für ein besonderes Highlight, indem sie zum kostenlosen Besuch des Völkerschlachtdenkmals einlud. Das Angebot wurde zahlreich genutzt, und so begaben sich viele der Teilnehmerinnen im Anschluss an die Spielrunden auf das 91 Meter hohe Bauwerk und genossen die Aussicht.

Am zweiten Tag hatten sich dann einige Favoritenteams herauskristallisiert. Die schussstarke Daniela Thelen aus Essen deklassierte im Viertelfinale zusammen mit ihren überzeugend legenden Partnerinnen Hanja Eurich (Köln) und Anna-Maria Bohnhoff (Düsseldorf) die Konkurrenz aus Baden-Württemberg mit 13:4 und machte Ambitionen auf den Meistertitel geltend. Mit demselben Ergebnis schickten die DPV-A-Kader-Spielerinnen Muriel Hess, Indra Waldbüßer und Carolin Birkmeyer (BaWü 1) ihre Konkurrenz aus Rheinland-Pfalz nach Hause.
Dann, in den Halbfinals, kam aber alles doch ganz anders als erwartet. Plötzlich trat ein Team auf den Plan, das am ehesten in Hessens Insiderkreisen bekannt sein dürfte: Marliese Milautzcki und Laura Schleth aus Frankfurt, komplettiert durch die Wiesbadenerin Natascha Sieling. Ihnen gelang es im Halbfinale, NRW 7 den Schneid abzukaufen. Ein schnelles 0:4 konnten Daniela, Hanja und Anna-Maria zwar umgehend kontern, gleich im Anschluss sorgte eine ungewohnt unkonzentrierte Legleistung der Rheinländerinnen aber für einen Fünferpack der Hessinnen und deren 9:4-Führung nach lediglich vier gespielten Aufnahmen.
Von diesem Schock erholte sich das NRW-Team dann nicht mehr. Zwar gab es wiederholt Chancen, den Spielstand noch umzubiegen, aber mindestens sieben Schüsse rauschten am Ziel vorbei. Nach insgesamt zehn Aufnahmen stand es 13:7 für Hessen 2, und die überraschende Finalteilnahme war erreicht.

Doch damit nicht genug: Auch das hochgehandelte Triplette um Muriel Hess musste sich beugen. Bei den Gegnerinnen aus NRW handelte es sich zwar auch um DPV-Kader-Spielerinnen, aber “nur“ aus dem Ersatzteam (Ana Isabel Casado/Ratingen) bzw. gar aus dem C-Kader (Marie Vormann/Coesfeld). Komplettiert wurde die Erfolgsformation zudem von einer Juniorin: Julia Reimers, der Vereinskameradin von Ana Isabel. Ausschlaggebend für deren Sieg waren zwei starke Aufnahmen in Folge mit insgesamt sieben verbuchten Punkten. Da stand es dann plötzlich 11:7, und auch wenn sich BaWü 1 noch bis auf 10:11 herankämpfte, so nutzte es nichts mehr, denn die erste sich bietende Chance in der anschließenden Aufnahme nutzte NRW 4 gleich zum Knockout.

Im anschließenden Finale erwischen die Hessinnen zwar den besseren Start, anschließend geht ihnen aber zunehmend die Luft aus. Die NRW-Auswahl, deren Milieu-Spielerin Ana Isabel die herausragenden und matchentscheidenden Würfe beisteuert, gewinnen die Oberhand und führen vor der letzten Aufnahme mit 12:8. Legerin Julia spielt die erste Kugel und platziert sie etwa einen halben Meter neben die Sau. Soll Hessen 2 nun schießen? Auf dem unebenen Terrain, auf dem der Weg ans Ziel mitunter einer unwägbaren Gratwanderung gleichkommt, wäre das sicherlich eine gute Option. Die Hessinnen vertrauen jedoch auf ihre Legkünste – und liegen falsch! Sechsmal verfehlen die gespielten Kugel ihr Ziel und sorgen für das unrühmliches Ende einer ansonsten spannenden und unterhaltsamen DM, die sicher neue Freunde und vor allem Freundinnen für den Pétanque-Sport gewonnen hat.

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